Die Computerwissen Highlights KW 41
Diese Woche bekann mit einem Schwank aus dem magentafarbenen Bauerntheater: Der skandalerprobten Telekom sind einen handvoll Datensätze – rund 17 Millionen StĂĽck – „abhanden“ gekommen. Wie das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtete, befindet sich seit dem Jahr 2006 ist ein Datenträger mit 17 Millionen Mobilfunk-Datensätzen in fremden Händen. Dabei handelt es sich um Daten von Prepaid- und Postpaid-Kunden.
Die Deutsche Telekom hatte den Diebstahl im Frühjahr 2006 bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt. Im Rahmen der Ermittlungen stellten die Strafverfolgungsbehörden Datenträger sicher. Recherchen im Internet und in Datenbörsen ergaben über Monate keine Anhaltspunkte, dass die Daten im Schwarzmarkt weitergegeben oder angeboten wurden. Deshalb ging der Konzern davon aus, dass keine Weitergabe der Daten erfolgte. Offensichtlich hat sich aber „Der Spiegel“ durch Dritte Zugang zu den Daten verschaffen können. Und, mal ehrlich, wenn das dem „Spiegel“ gelungen ist, dann besteht die berechtigte Vermutung, dass diese Riesenmenge Daten nicht nur bei einem leicht verdrehten Sammler im Schreibtisch gelegen hat, oder? Und etwas merkwürdig ist ja auch, dass der Erotikunternehmer, bei dem sich die Daten befinden, in den Medien verkündet, er habe mit der Telekom gesprochen, die diese Daten weder zurückhaben wollte noch sich jemals wieder mit ihm in Verbindung gesetzt habe. Und noch merkwürdiger, dass sich das Unternehmen anscheinen besser auf das ausspionieren der eigenen Aufsichtsräte als auf deren – und der Kunden – Information.
Doch nicht nur bei der Telekom lauern Gefahren, auch das „Social Networking“ wirft immer wieder Fragen auf. Social-Networking-Plattformen verlangen von ihren Nutzern bei der Registrierung viele private Daten, bieten aber nur wenig Möglichkeiten, diese persönlichen Informationen vor ungewollten Zugriffen zu schützen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt, das die beliebtesten Internetplattformen zur privaten und geschäftlichen Kontaktpflege untersucht hat.
Getestet wurden die Plattformen facebook, studiVZ, myspace, wer-kennt-wen, lokalisten sowie die geschäftlich orientierten Portale XING und LinkedIn. Unter den Plattformen für den privaten Gebrauch erzielte facebook das beste Ergebnis, wenngleich selbst diese Plattform erhebliche Schwächen offenbarte. Die meisten Negativbewertungen erhielten die lokalisten.
Von den zwei getesten Geschäftsplattformen bietet LinkedIn bessere Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre als XING: Zum einen erlaubt LinkedIn eingeschränkt die Nutzung eines Pseudonyms, zum anderen lässt sich der Account leichter kündigen und die persönlichen Daten besser entfernen. Die Tester meldeten sich als Normalnutzer an, um die Einstellungsmöglichkeiten zu testen. Anschließend schlüpften sie in die Rolle des Angreifers und prüften die Wirksamkeit der Konfiguration, indem sie versuchten, an persönliche Daten aus selbsterstellten Profilen zu gelangen. Mit Hilfe spezieller Suchmaschinen kamen sie zum Beispiel in den Besitz geschützter Bilder, obwohl diese gar nicht für die Öffentlichkeit freigegeben waren. Auch die politische Orientierung oder der Familienstatus ließ sich trotz Sperrung der Daten ermitteln, und selbst nach Aufgabe der Mitgliedschaft blieben bei einer Plattform die persönlichen Gästebuch- und Foreneinträge bestehen.
Post vom Anwalt ist nur in den seltensten Fällen erfreulich. Auf keinen Fall gefreut haben werden sich in der Vergangenheit diejenigen Computeranwender, die Post von der Kanzlei Rasch aus Hamburg erhalten haben. Diese hat nämlich, so berichtet der Hamburger Anwalt Dr. Alexander Wachs, im Auftrag der Musikindustrie (Sony BMG; Universal; EMI und Warner) in den letzten Jahren mehrere 10.000 Abmahnungen versandt.
Grund der Abmahnungen war die behauptete Nutzung von Filesharing-Software, um damit im Internet Musik zu tauschen. In diesen Abmahnungen wurden die Angeschriebenen aufgefordert an die Musikindustrie Schadensersatz von EUR 3.000 bis zu EUR 10.000 zu zahlen.
An die Adresse der Anschlussinhaber gelangte die Kanzlei Rasch im Rahmen eines vorgelagerten Strafverfahrens und anschlieĂźender Akteneinsicht. Dieser Weg ist nunmehr jedoch fĂĽr die Kanzlei Rasch nicht mehr gangbar, weil die Staatsanwaltschaften derzeit Rechtsverletzungen unter mehreren hundert Dateien nicht mehr verfolgen. Der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Ralf Meyer erläuterte den Schritt. Die Ermittlungen seien “nicht mehr verhältnismäßig”. Die Staatsanwälte sehen sich von der Musik-, Porno- und Computerspiele-Industrie missbraucht.
Dr. Alexander Wachs erläutert: “Der Anspruch auf Adresserteilung krankt derzeit daran, dass die Internetanbieter wie die Telekom sich weigern, die Adressdaten ihrer Kunden herauszugeben. Wegen der kurzen Speicherfrist von derzeit einer Woche können die Rechteinhaber nicht zeitnah eine gerichtliche Verpflichtung der Herausgabe der Adressen erwirken.”
Bedeutet dies also nun das Ende der Abmahnungen? Dazu Dr. Wachs: “Solange sich die Internetanbieter verweigern, werden Abmahnungen tatsächlich massiv erschwert. Selbst wenn die Internetprovider aber einlenken, stellt sich noch die Kostenfrage. Derzeit erheben einige Gerichte EUR 200 pro angefragter IP-Adresse an GebĂĽhren, diese mĂĽssten von den Rechteinhaber vorgeschossen werden, und ob diese Auslagen von den Abgemahnten dann erstattet werden, ist völlig unklar. Abmahnungen lohnen sich also derzeit nicht.”
Richtig fies sind nicht nur Abmahnungen, sondern auch die Zahlen, die der Quartalsbericht der Panda Security Sicherheitslabore aufzeigt: Adware verursachte im dritten Quartal 2008 die meisten Computer-Infektionen. Auf 37,49% aller weltweit infizierten Rechner konnte Panda mindestens ein Adware-Muster entdecken - das bedeutet einen Anstieg von 70% im Vergleich zum zweiten Quartal 2008 (22,03%). Mit 28,70% waren Trojaner für die zweithöchsten und Würmer mit 11,56% für die dritthöchsten Verbreitungsraten verantwortlich.
Trotz des deutlichen Anstiegs bei der Adware-Verbreitung bleibt der Trojaner mit fast 60 % der beliebteste Schädling bei Cyber-Kriminellen. Auch im dritten Quartal wurde keine andere Malware-Art in so vielen verschiedenen Varianten in Umlauf gebracht wie der Trojaner. Damit bewahrt er sich einmal mehr die Spitzenposition im Bereich der neu programmierten Schädlinge.
Die USA (31,16%) und Spanien (31%) waren im dritten Quartal 2008 die Länder mit den höchsten Infektionsraten. Es folgen Taiwan (27,23%), Polen (25,31%) und Argentinien (22,67%). Deutschland landet im weltweiten Ranking mit 14,59% auf Platz 14.
Der hohe Adware-Anstieg im vergangenen Vierteljahr ist vor allem durch die zunehmende Verbreitung gefälschter Sicherheits-Software bedingt. Bei dieser Art von Täuschungsmanöver werden Computer-Nutzer über Warnmeldungen, die einen angeblichen Malware-Befall melden, zum Kauf eines Antiviren-Programms animiert, um ihr vermeintlich verseuchtes System zu desinfizieren. Mit den scheinbaren Security-Programmen konnten Online-Kriminelle in kürzester Zeit einen äußerst lukrativen Markt erobern. Dabei erzielen sie bei relativ geringem Aufwand beträchtliche finanzielle Gewinne.
Weit angenehmer sind da eine ganz andere Art der Würmer, die Bücherwürmer. in wenigen Tagen beginnt in Frankfurt die 60. Buchmesse (15. – 19.10.08), die inzwischen weit mehr zu bieten hat, als nur gedruckte Werke.
„Auf den Inhalt kommt es an!“, sagen die Verlage und sehen die Vielfalt und Komplexität der Verlagsprodukte mit der fortschreitenden Digitalisierung immer größer werden.
Fest steht: Das Angebot digitaler Produkte aus der Verlagsbranche wächst weiter. 361 Aussteller der Frankfurter Buchmesse 2008 führen E-Books in ihrem Sortiment. E-Books stellten 2007 etwa zwei Prozent der ausgestellten Produkte, dies dürfte sich ändern: Mit dem Hype um die neue Generation von Lesegeräten wie Kindle, iLiad und Sony E-Reader ist für 2009 jede Menge Bewegung im Markt zu erwarten, gerade im Bildungs- und Belletristikbereich.
Abgesehen von Produktvorstellungen widmen sich auf der Messe Veranstaltungen aller Art den Folgen der Digitalisierung: Mit der Buchpiraterie beschäftigt sich die International Publishers Association bei ihrem Jahreskongress am Messe-Freitag. Das Forum Innovation (Halle 4.2) wird unter anderem belegt von libreka!, Google, Amazon und anderen Volltextsuche-Spezialisten. Aber auch Publikumsverlage wie S. Fischer und Hoffmann & Campe mischen hier dieses Jahr ganz vorne mit, wenn es darum geht, neue Geschäftsmodelle vorzustellen. Wie Belletristik online funktionieren kann, zeigt auch der neue Gemeinschaftsstand Books & Bytes in der Halle 3.0.




digg it
yigg it
am 12. Oktober 2008 um 09:55 Uhr.
Hallo, ich habe nach dem ersten Absatz aufgehört zu lesen. Dieses nicht korrigierte Deutsch ist mir zu anstrengend! Schade, kenne ich hier sonst gar nicht so
MfG
am 12. Oktober 2008 um 18:47 Uhr.
Ich habe Ihren Artikel mit groĂźer Aufmerksamkeit gelesen. Ihnen ist in Ihrem Kommentar leider ein weit verbreiterter Irrtum unterlaufen:
Die Abzocker brauchen beim Provider nicht nach der Kundenadresse zu fragen. Sie haben diese nach Ihrem Klick auf die betrĂĽgerische Site sofort vorliegen und terrorisieren den sogenannten “Kunden” sofort und ohne Verzögerung.
Es wird Ihnen direkt eine Abo-Rechnung an Ihre Mail-Adresse mit Ihrer vollen Anschrift zugestellt.
Wie so etwas möglich ist, konnte mir bis heute noch keiner erklären, doch haben meine Frau und ich selbst diese Fälle erlebt.
Daher Ă„rgere ich mich jedesmal, wenn solche “Alleswisser” wie Sie uns Internetnutzer mit solch dummen Tipps versorgen.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Hubert Mohr
am 14. Oktober 2008 um 08:20 Uhr.
Hallo, Herr Mohr,
Sie haben ganz recht - es ist ein weit verbreitetes Phänomen, das Sie hier als Irrtum bezeichnen. Ich glaube, es wird ab und an auch Rechtsstaat genannt. Aus Ihrer Expertise: Warum versuchen Anwälte eigentlich, ĂĽber richterliche Entscheidungen an die Daten zu kommen, wo sie das, wie ich jetzt gelernt habe, gar nicht mĂĽssen, weil sie selbst betrĂĽgerische Webseiten betreiben? Zu Ihrem Problem, das Ihnen bis heute niemand erklären konnte: Hier empfehle ich Ihrer Aufmerksamkeit entsprechende Fachartikel oder Webseiten (z.B. vom BSI). Auch im “Computerwissen Daily” hatten wir schon einige Artikel dazu. Sie kennen ja sicher auch noch den alten Werbespruch fĂĽr die “Gelben Seiten”?
In diesem Sinne und immer schön vorsichtig im Glashaus
Torsten Kieslich