Die Zukunft der Printmedien im digitalen Zeitalter
Schon seit geraumer Zeit wird diskutiert, ob der Internet-Boom den Printmedien schadet. Immerhin – auch wenn es in der Verlagsbranche nicht anders zugeht wie in der übrigen Wirtschaft, wird ja immer noch gelesen. Allerdings, so konstatiert Andreas Ludwig, Director Business Development Yahoo! Deutschland, beziehen immer mehr junge Leute ihre Lektüre aus dem Netz und verbringt dort auch immer mehr ihre Zeit. Hier müssten, betont er nicht ganz uneigennützig, die Verlagshäuser auf eine gesunde Symbiose aus Print und Online setzen und sich starke Marktpartner suchen.
Den Kommentar von Herrn Ludwig zu diesem Thema, der, ungeachtet der sicherlich gefärbten Brille, durch die er als Manager von Yahoo blickt, möchte ich Ihnen (leicht gekürzt) nicht vorenthalten:
„Seit dem Durchbruch des Internets zum Massenmedium wurde die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche schon oft tot gesagt. Doch trotz dieser düsteren Prognosen ist das deutsche Verlagswesen auch im Jahr 2008 immer noch sehr vital und erfolgreich. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Printmedien hierzulande einen extrem hohen Stellenwert genießen. Nirgendwo sonst ist die Vielfalt an Zeitungen und Zeitschriften so ausgeprägt. Deutschland ist ein Leseland, das zudem lange keine ernst zu nehmende elektronische Konkurrenz hatte. Erst Mitte der achtziger Jahre wurden - nach endlosen politischen Diskussionen - die ersten privaten TV-Sender genehmigt. Anderswo bestimmten deren Inhalte längst das Geschehen auf den Bildschirmen.
Den Ansturm von TV in den 90er Jahren hat Print noch relativ unbeschadet überstanden. Nun aber übt das Web tatsächlich ernsthaften Druck auf Printmedien aus. Insbesondere die jüngere Generation wandert zunehmend ins Web ab und verbringt dort mehr und mehr Zeit: Mit knapp 14 Stunden pro Woche sind die 16- bis 24-Jährigen am meisten online. Bereits heute informiert sich laut einer Studie des Marktforschungsinstituts TNS Infratest knapp ein Drittel der Bevölkerung (32 Prozent) eher über das Internet als über Tageszeitungen oder Zeitschriften. Vor allem für Informationen, bei denen die Aktualität im Vordergrund steht, werden die neuen elektronischen Wege künftig eine noch bedeutendere Rolle spielen und langfristig hier sogar die klassischen Printmedien ablösen; dies glauben 61 Prozent der Deutschen.
Die viel diskutierte Frage Print oder Web - aus der Sicht von Yahoo! muss sich diese nicht zwangsläufig stellen. Zum einen ist Print ein Gütesiegel, das für hohe Qualität und journalistische Kompetenz steht, zum anderen werden Verlage auf Dauer am Wachstum des Internets partizipieren können, wenn sie sich auf neue Ideen einlassen und neue Wege gehen. Hier müssen Medienmarken im Vordergrund stehen und nicht, wie früher üblich, Mediengattungen. Die Mediennutzung fragmentiert sich weiter, deshalb wird es zunehmend wichtiger, klassische mit neuen Medien sinnvoll zu ergänzen.
Es ist für traditionelle Printmedien mehr denn je erforderlich, den eigenen Markenwert auch online aufzubauen oder zu stärken und damit eine größere, insbesondere auch jüngere Zielgruppe zu erreichen. Wenn sich die Verlage zudem auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und sich als Vermittler von Inhalten verstehen, diese über verschiedene Plattformen ihrem Publikum näher bringen und sich dabei mit starken Online-Marktpartnern zusammentun, werden ihre Medienmarken Bestand haben.“
Das klingt doch schon längst nicht mehr so negativ wie die vollmundigen Aussage der Internetbranche, die noch vor wenigen Jahren immer wieder einmal verkündete, Printmedien wären in wenigen Jahren komplett verschwunden.




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