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Hirn kann man nicht leihen

Im Internet gibt es ja nahezu alles, was sich auch die wildeste Phantasie ausmalen kann – so unter anderem jetzt auch ein Online-Pfandhaus.

Nach eigenen Worten will www.pfandy.de den Pfandhäusern den Kampf ansagen. Wer allerdings die Webseite besucht oder die Pressemitteilung dieses Unternehmens liest, dem wird schnell klar, dass diese selbsternannten Unternehmer in erster Linie der deutschen Sprache den Kampf angesagt haben. Aber dazu später.

Zunächst interessiert doch, wie nun ausgerechnet ein so sehr auf realen Warentransfer ausgelegtes Geschäft wie das Beleihen eines Pfandes online funktionieren soll. Lassen wir das den Anbieter selbst erklären: „Die Idee dahinter ist denn auch so simpel wie einfach, Leute die einen Gegenstand als Pfand haben und Geld leihen möchten, können sich den umständlichen Weg zum örtlichen Pfandhaus sparen, Sie treffen sich auf Pfandy.de mit potenziellen Geldgebern.“

Und weiter heißt es: „Menschen die in Geldnot geraten gibt es mittlerweile viele in Deutschland, manche wählen den Weg über das nächste Kreditinstitut, schlimmer noch Sie landen bei dubiosen Kreditverleihern, natürlich zu Wucherzinsen.“ Wie man zu Wucherzinsen bei einem Kreditverleiher landet, überlasse ich jetzt einmal Ihrer Phantasie. Wie man allerdings bei Anbietern landen kann, deren Kenntnis der deutschen Sprache mit ‚rudimentär’ äußerst wohlwollend beschrieben wäre, haben wir jetzt herausgefunden.

Was sich, sofern man sich die Mühe macht, die etwas desaströsen Beschreibungen der Webseite zu dechiffrieren, etwa so darstellt: Menschen stellen anonym – ganz ähnlich wie bei eBay – Gegenstände als Pfand zur Verfügung. Zu diesen Pfändern nennt der Anbieter einen Wunschbetrag. Derjenige, der Geld verleihen möchte, kann nun Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen, von diesem das Pfand in Empfang nehmen und hoffen, seinen Geldbetrag nebst Zinsen zurückzuerhalten. Pfandy.de ist hier nichts anderes als eine schlichte Vermittlungsagentur – das Risiko scheint voll und ganz bei den privaten Kreditgebern zu liegen. Ob sich das lohnt? Sehen wir uns einmal entsprechende Angebote an: Da möchte beispielsweise jemand einen Laptop beleihen. 200 Euro möchte er haben, für 3 Wochen. Dafür bekommt der Verleiher nun, wenn er denn bereit ist, in Emmendingen vorbeizufahren, den Laptop. Eine technische Prüfung findet nicht statt, der Laptop muss stattdessen noch sicher transportiert und gelagert werden. Dafür steht dann, wenn alles gut geht, eine Rückzahlung von 220 Euro ins Haus. Da bleibt, nach Abzug de Fahrtkosten ja doch ein ungeheurer Gewinn hängen.

Was aber passiert, wenn der Anbieter nicht zahlen kann oder will? Ist dann der private Kreditvertrag hieb- und stichfest? Die Betreiber der Webseite schweigen sich dazu ebenso aus wie zu der Frage, in welcher Weise die Pfänder gesichert sein müssen oder was wohl passiert, wenn ein Pfand beschädigt wird?

Und, mal im Ernst, was soll ich bitte mit einer Hose, die ich für eine Woche beherbergen soll, um glatt 1 Euro Zinsgewinn zu erzielen? Ein solches Geschäftsmodell kann in meinen Augen nur mit der klassischen Pfandleihe mit Ladenlokal, Lagerfläche und Tresor funktionieren.

An der Seriosität der Plattform mag man zudem leichte Zweifel hegen, wenn die Anbieter in ihrem markanten Stil mitteilen, sie hätten „eine ĂĽber 6- monatige Programmier- und Recherchearbeit zu rechtlichen Belangen bewältigt bis ihre Plattform jetzt den Dienst antreten kann.“ Gleichzeitig wird dem unbedarften Geldverleiher ohne jegliche Beratung mitgeteilt, „Erfinder Oleg Strecker und die GrĂĽnder vom dem groĂźen Erotikmarktplatz www.Romeomust.com haben eine Internetplattform fĂĽr jedermann Pfandleih Geschäfte mit einem beliebigen Standort entwickelt, die es ermöglicht jeder Privat oder Gewerblicher Person als ein “Pfandleiher” tätig zu werden und Geld zu leihen zu den Konditionen die jeder fĂĽr sich richtig und angemessen hält.“ Das von der Seite recht unauffällig verlinkte Pfand-Wiki hält dagegen eine ganze Reihe von Regelungen fĂĽr den gewerblichen Pfandleiher bereit. Ob und wann man unter diese Regelungen fällt, verraten uns die cleveren Herren von Pfandy.de leider nicht.

Nun ja, jeder wird wohl für sich selbst entscheiden müssen, ob eine derart ausgefeilte Plattform sinnvoller ist als die Beratung in der eigenen Bank oder Sparkasse. In jedem Falle scheint es jedoch ratsam, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Privatkredite zu klären. Und die Betreiber der Webseite sollten sich zumindest entscheiden, ob sie in Rinteln oder Steinbergen ansässig sind.

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Ein Kommentar zu “Hirn kann man nicht leihen”

  1. Dorena Beckendorf

    Hallo,

    diese Online-Pfand-Seite hat mich interessiert, ist doch die Durchsetzung kaum möglich.
    Als erstes öffnete ich zufällig ein Angebot von “kettras (0)” aus der Kategorie “Antik, Kunst, Möbel”. Ein Sekretär wird angeboten, 1700 EUR möchte der Anbieter haben und zurĂĽckzahlen ganze 1702 EUR, bei einer Laufzeit von 1 Monat.
    So viel dazu. Beim Betrachten des Fotos kamen mir Erinnerungen und ich wurde auf Anhieb fĂĽndig. Bei www.bader.de steht dieses SchmuckstĂĽck, zu haben fĂĽr 799 EUR, natĂĽrlich mit selbem Foto.
    Also mal so schlappe 901 EUR zu viel. “Ăśberzugsbedingungen: Pfand wird einbehalten”. Also hat dann der Geldgeber bei Verzug des Anbieters einen tollen Schrank und einen Verlust von knapp 1000 EUR.
    Wer von den Geldgebern sollte diesen Betrug wittern? Oder ist es gar ein “Super-Angebot” vom Betreiber selbst???

    Also eine sehr ineressante website fĂĽr Menschen, die zuviel Geld haben und BetrĂĽgern etwas Gutes tun wollen :-)

    Mit hochverpfändetem Gruß
    Dorena

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