Die Jammermentalität
Ich bin ein begeisterter Leser von Webseiten, wo man auch Kommentare hinterlassen kann. Das ist in vielen Fällen sehr hilfreich, speziell dann, wenn es um Meldungen zu neuen Produkten geht.
In der letzten Zeit stößt mir das Lesen solcher Beiträge jedoch immer häufiger auf. Der Grund ist dabei weniger die teilweise merkwĂĽrdige Auslegung der Rechtschreibregeln durch einige Zeitgenossen – daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt und wundere mich nur noch, warum wohl Menschen ĂĽber Profisoftware im mehrere-hundert-Euro-Bereich diskutieren oder ihren Senf zu neuesten Hardwareprodukten geben, die sie sich, gemessen am Eindruck, den sie hinterlassen, vermutlich nie werden leisten können. Vermutlich alles Lotto-Gewinner ….
Nein, was mich in den letzten Monaten nervt, ist die anscheinend im Netz weit verbreitete Jammermentalität, die sich, zusammen mit einem heftigen Anspruchsdenken, in solchen Foren manifestiert.
Da wird beispielsweise berichtet, eine Softwarefirma habe eine Testversion eines Produktes bereitgestellt. Will man alle aktuellen Programme 30 Tage lang kostenlos nutzen, muss man allerdings fĂĽr immerhin 10 Euro eine DVD anfordern.
Nun raten Sie, was als Kommentar erscheint. Es wird natürlich als erstes festgestellt, dass es doch eine Frechheit ist, dass nicht die gesamte DVD zum Download bereitsteht. Kein Gedanke, dass man schlicht zur Kenntnis nimmt, dass das Unternehmen mit seiner Software anstellen kann, was es möchte und eine DVD zu versenden im Hinblick auf die Bandbreite durchaus sinnvoller sein kann.
Oder es wird gemeldet, ein Hersteller habe ein altes Gerätemodell wie geplant und üblich aus dem Handel genommen. Was für eine Unverschämtheit – das Unternehmen folgt einfach seiner Produktplanung. Und dann bietet es wieder nicht genau das Gerät an, das ich haben möchte – warum fragen die mich nicht endlich, bevor sie etwas entwickeln? Und überhaupt – das ist doch alles viel zu teuer. Und mit der Einstellung wird es das Unternehmen nicht mehr lange machen – das sage ich schon seit Jahren.
Die Diskussion ist munter und nimmt Fahrt auf, nur dass es nicht um den Inhalt der Meldung geht, sonder um jede Form persönlicher Frustration.
Eine kostenlose Software wird veröffentlicht, eine nette Sache, nicht wahr? Aber warum ist kein Handbuch dabei? Und warum kann ich die Oberfläche nicht auch grün darstellen? Und warum kommt der Entwickler nicht zu mir und küsst mir die Füße?
Eine Firma versieht Ihre teure Software, mit der sie ihr Geld verdient und die Mitarbeiter bezahlt, mit einem Kopierschutz, nachdem das Programm weltweit jahrelang gestohlen wurde. Eine bodenlose Frechheit – ich darf das Programm nicht mehr illegal an alle Freunde und Verwandte weiterverschenken? Wie, ich soll für etwas, das ich benutze, auch noch bezahlen? Ich arbeite doch auch umsonst in meiner Firma.
In einem Artikel wird ein Produkt genannt und ein Herstellername. So eine Schweinerei, da ist kein Link dabei. Nun soll ich doch tatsächlich selbst nach etwas googeln, das mich interessiert? Womöglich eigenhändig den Produktnamen in das Suchfeld kopieren? Wie unerhört – und das auch noch, wo ich für die journalistische Leistung nichts bezahle.
Wenn Sie glauben, dass das ein Einzelfall ist, schauen Sie sich einmal im Web um. Da werden lustig bar jeder Sachkenntnis Vorurteile kolportiert, Behauptungen aufgestellt und weit am Thema vorbei Befindlichkeiten verkĂĽndet.
Nun ist es mit dem Internet ja so, dass jeder, der möchte, seine Meinung verkünden darf und das ist auch gut so. Aber steht eigentlich auch irgendwo, dass es sich dabei nur um Jammern und Meckern handeln muss?




digg it
yigg it
am 17. November 2008 um 12:24 Uhr.
Ich schreibe sehr selten irgendwelche Kommentare.
Aber vielen Dank fĂĽr diesen heutigen!!
Das sollten sehr viele unserer Zeitgenossen lesen, denn es ist - wo man hinhört- wirklich nur ein Gejammere!!
Also, jammern wir nicht und freuen uns, dass wir hier leben dĂĽrfen. Es geht uns doch wirklich nicht sooo schlecht.
Lieben GruĂź
Claudia Chauvin
am 17. November 2008 um 12:46 Uhr.
Hallo Herr Kieslich,
endlich mal Jemand, der wirklich auch selber nicht alles nur negativ sieht. Sie haben mir mit Ihrem Beitrag aus dem Herzen gesprochen. Machen Sie weiter so. Ich finde Ihre Newsletter ausreichend und sehr informativ.
am 17. November 2008 um 14:13 Uhr.
Hallo Herr Kieslich,
genau das, was Sie da beschreiben, erlebe ich täglich auch in einigen Foren und Chats, deren Leitung in meiner Hand liegt.
Und das Schlimme ist, daß man, wenn man genug Gejammer und Unfähigkeit
der User am Tag “ĂĽber sich ergehen lassen hat”, man selbst fast nicht mehr an das Gute in den Menschen glauben mag.
Vor allem sind immer die andern dran schuld, wenn man selbst nicht von alleine z.B. eine Registrierung vornehmen kann.
Ich bin eigentlich ein sehr positiver, hilfsbereiter Mensch, der anderen auch gerne mal zuhört, wenn sie ein Problem haben oder auch einen Rat gibt, wenn eine Lösung sichtbar ist.
Allerdings fĂĽhle ich mich in der letzten Zeit vermehr nur noch ausgenutzt, weil diese Personen oft keine richtigen Umgangsformen kennen und nur ihren Frust irgendwo loswerden wollen.
Ihre Worte zu diesem Thema waren Balsam auf meiner Seele und ich hoffe, daĂź das noch ganz viele Menschen lesen und “zur Besinnung” kommen.
Herzliche GrĂĽĂźe
Christina Renn
am 17. November 2008 um 15:18 Uhr.
Bezgl. Rechtschreibung:
> Eine Firma versieht Ihre teure Software, mit
Ersetze Sie doch mal in Ihren Texten alle
” Sie” (Leerzeichen,Schreibweise beachten) durch
” Du”
und ebenso alle
” Ihr/e/r/s/n/m” durch
” Dein/e/r/s/n/m”
und lesenSie sich das Ganze dann nochmals durch - oder geben SIe es jemand anederem zur Kontrolle …..:-)))
Mit freundlichsten GrĂĽĂźen
Peter Murschall
am 17. November 2008 um 17:42 Uhr.
@Peter Murschall
Ach, lieber Herr Murschall,
das war so herrlich konstruktiv. Ich gebe zu, ich bin da nicht perfekt - ich vermute, dass Ihnen da weniger Fehler unterlaufen. Wieviel Seiten Text liefern Sie denn so pro Tag ab? Sicher mehr als 20? Vielleicht kann ich Ihnen ja dann meine Texte zur Korrektur senden.
Ach, und da Sie grad so schön im Glashaus sitzen: Das Wort “lesenSie” ist mir ebenso unbekannt wie “anederem”. Das muss im Duden neu sein, nicht wahr?
Mit freundlichem GruĂź
Torsten Kieslich
am 17. November 2008 um 18:41 Uhr.
Hallo Herr Kieslich,
danke, wieder mal ein erfrischender und mutiger Kommentar Ihrerseits.
Ich wĂĽrde nur gern wissen, ob es diese “Klientel” schon “immer” gab, oder erst im Zeichen des Internets, vielleicht gepaart mit der “Pisa-Problematik” ?
Dann würde ich auch gern wissen, wie hoch der Anteil dieser Typen gemessen an der Gesamtbevölkerung ist.
Wie auch immer, man darf diese Dinge nur nicht zu sehr an sich herankommen lassen.
Weiter so,
mfG
Kai
am 17. November 2008 um 19:13 Uhr.
Zu “Die Jammermentalität”
Dieser Beitrag bringt es voll auf den Punkt. Leider hat das Internet obendrein auch noch ein Elefantengedächtnis und dieser ganze Mist geht nicht irgendwann von selbst einmal weg. Man sollte sich unbedingt für den ganzen digitalen Müll ein System mit Verfallsdaten ausdenken und dann die digitale Müllabfuhr ständig mit dem eisernen Besen kehren lassen.
am 17. November 2008 um 20:13 Uhr.
Sehr geehrter Herr Kieslich,
grundsätzlich muss ich Ihnen ja recht geben. Zu Ihren kritischen Anmerkungen zum Umgang mit den Rechtschreibregeln und damit natürlich auch mit der deutschen Sprache muss ich Ihnen den Ball zurückwerfen. Ihr Verlag trägt zu diesem Zustand bei, indem Sie zu einem grossen Teil englischsprachige Software beschreiben und bewerten. Wenn Sie mehr deutschsprachige Software vorstellen würden (schließlich leben wir ja im deutssprachigen Raum), könnten Sie einen Beitrag dazu leisten, das die deutsche Sprache nicht verarmt und in Anglzismen aufgeweicht wird.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Matthias von Ostrowski
am 18. November 2008 um 09:15 Uhr.
Hallo und ach ja, Sie haben Recht. Aber …
Software ist nun einmal ein Geschäft mit dem Geld verdient werden soll und muĂź und wenn der Absatz nicht so läuft wie angedacht, dann wird nachgeholfen und das nicht immer zum Nutzen des Verbrauchers. Ich habe es mir zur Regel gemacht Software, die mit “Tricks” an den Mann gebracht wird, nicht zu nutzen. Schauen Sie sich mal die Reihe Pinnacle Studio Plus an, was sie scheinbar kostengĂĽnsig alles erwerben und auf den Rechner bringen, aber ohne zusätzliche Freischaltungskosten nie und nimmer nutzen können.
Bei Hardware sieht es ähnlich aus. Bei meinem Canon i865 streikte die schwarze Fotopatrone. Alle Wiederelebungsversuche schlugen fehl und ich entschloĂź mich einen neuen Druckkopf zu erwerben. Fahrtstecke zum Kaufhaus 35 km. ‘Ich suche einen Druckkopf fĂĽr den i865 von Canon” - ‘Sie meinen eine Druckerpatrone?’ - “Nein, einen Druckkopf” - ‘Den gibt es bei Conon nicht mehr, da er fast so teuer wie ein neuer Drucker ist’. Soweit der Dialog. Der Nachfolgedrucker kostet tatsächlich 99 €, den Druckkopf habe ich versandkostenfrei bei einem anderen Anbieter ĂĽber das Internet fĂĽr knapp 65 € erhalten können. Ich bin doch nicht blöd. So also der GroĂźmarkt.
Die deutsche Rechtschreibung. Sie haben auch hier Recht und trotzdem empfinde ich Ihre Bemerkung völlig deplaciert. Gegen den Willen vieler Ureinwohner präsentiert sich unser Vaterland stolz als Vielvölkerstaat und macht den Einwanderern alle möglichen Zugeständnisse. Der einfache Begriff “Gastrecht” ist weitestgehend unbekannt, es wird nichts gefordert vom Gast, sondern dieser verlangt. Das fĂĽhrt mit Zwang dazu, daĂź der Gast sich mit den bei ihm vorhandenen Erkenntnisstand auch publiziert und der Rest ist klar, kann er ist nicht in der “Noch”-Landessprache Deutsch, macht er es im englischen oder amerikanischen Kauderwelsch. Es gäbe noch mehr zu sagen ….
Mit freundlichem GruĂź!
A. Griebsch
am 18. November 2008 um 23:27 Uhr.
was labern sie fĂĽr ein mist.kann ja nicht wahr sein ich werd das hier sofort kĂĽndigen
am 19. November 2008 um 03:02 Uhr.
@Michael
Werter Michael,
welche Kinderstube haben Sie denn vermisst? Ein Umgangston, wie er möglicherweise in einer der so genannten “Daily Talks” angebracht ist, aber doch keinesfalls in einem Forum wie diesem. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihrem interessant gestalteten Schreiben richtig folgen konnte, aber wenn Sie den Newsletter aus dieser Erkenntnis heraus kĂĽndigen möchten, kann ich Ihnen nur zuraten.
Mit freundlichem GruĂź
Torsten Kieslich